Dieter Motschmann
Eine kleine Geschichte Polens (3)



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Zwischen den Weltkriegen

Durch den Versailler Vertrag vom Juni 1919 erhielt Polen einen schmalen Gebietsstreifen (den so genannten Polnischen Korridor) entlang der Weichsel bis zur Ostsee sowie den größten Teil der Provinz Posen (Poznan) und Westpreußens. Danzig wurde Freie Stadt, gehörte wirtschaftlich aber zu Polen. Nach dem Polnisch-Sowjetischen Krieg, den Polen durch das Nichtanerkennen der polnischen Ostgrenze ausgelöst hatte, besetzte Polen 1921 Teile von Weißrussland und der Ukraine. Im Westen erhielt Polen nach Volksentscheiden Teile von Oberschlesien zugesprochen (1921 und 1922). In den zwei Jahrzehnten nach dem Krieg war die polnische Außenpolitik im Wesentlichen durch die Angst vor Deutschland und der UdSSR geprägt. Im Februar 1921 wurde mit Frankreich ein Verteidigungsbündnis geschlossen, weitere Bündnisse folgten mit Rumänien, der Tschechoslowakei, Jugoslawien, Lettland, Estland und Finnland. 1932 schloss Polen einen Nichtangriffspakt mit der UdSSR ab, 1934 wurde ein ähnliches Abkommen mit Deutschland für eine Laufzeit von zehn Jahren unterzeichnet. Beide Abkommen sollten Polens Grenzen garantieren.

Zu Zeiten großer Instabilität und wirtschaftlicher Schwäche übernahm Józef Pilsudski im Mai 1926 nach einem Staatsstreich die Macht und erlangte zeitweilig diktatorische Kontrolle über die Regierung. Als Staatsoberhaupt wurde Ignacy Moscicki eingesetzt. Nach einem Ermächtigungsgesetz setzte er schließlich im April 1935 eine auf ihn zugeschnittene autoritäre Präsidialverfassung durch. Pilsudski überlebte diese Verfassungsänderung aber kaum um einen Monat (er starb am 12. Mai), sein Nachfolger wurde der General Edward Rydz-Smigly.

Der Sieg des Nationalsozialismus und die Expansionspolitik Adolf Hitlers ab Mitte der dreißiger Jahre bedeuteten eine Bedrohung für Polens Sicherheit. Das Münchner Abkommen führte im März 1939 zur Teilung der Tschechoslowakei. Jetzt wurde Polen, das in dem Abkommen rund 1000 Quadratkilometer tschechischen Gebiets zugesprochen bekommen hatte, das nächste Ziel des deutschen Expansionsdranges. 1.9.39: Angriff auf die poln. Westerplatte Deutschland forderte die Angliederung der Freien Stadt Danzig an das Deutsche Reich und einen exterritorialen Zugang durch den Polnischen Korridor. Polen lehnte diese Forderungen ab. Am 31. März gab Großbritannien eine Garantieerklärung für den Fall eines deutschen Angriffs auf Polen ab, an die Frankreich sich mit einer Bekräftigung der bestehenden Allianz anschloss. Am 28. April kündigte Hitler den deutsch-polnischen Nichtangriffspakt. Am 1. September 1939 überfiel die deutsche Wehrmacht Polen und löste so den 2. Weltkrieg aus.

2. Weltkrieg

Bis Mitte September 1939, zwei Wochen nach dem Beginn des deutschen Einmarsches, hatten die deutschen Truppen den größten Teil West- und Mittelpolens überrannt. Im selben Monat marschierten auch sowjetische Truppen von Osten nach Polen ein. Gemäß einer geheimen Zusatzvereinbarung im deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt vom August teilten die beiden Staaten das Land zwischen sich auf. Im deutsch besetzten Teil kam es zu gewaltigen Repressalien gegen die polnische Bevölkerung, und auch im sowjetisch besetzten Teil wurden viele tausend Polen nach Sibirien deportiert oder getötet.

Zahlreichen Mitgliedern der polnischen Regierung und des Militärs gelang es, in der letzten Phase der deutschen und sowjetischen Angriffe aus dem Land zu fliehen. Die meisten der flüchtigen polnischen Truppen, etwa 100 000 Mann, erreichten Frankreich und wurden dort zu Kampfeinheiten neu zusammengestellt. Diese und weitere, später in der Sowjetunion zusammengestellte Einheiten kämpften an der Seite der Alliierten in Nordafrika und Europa. In der Zwischenzeit wurde in Frankreich eine Exilregierung gebildet, die nach dem Einmarsch der Deutschen 1940 nach London verlegt wurde.

Bei ihrem Angriff auf die Sowjetunion 1941 besetzte die Wehrmacht den gesamten sowjetisch beherrschten Teil Polens. Während der deutschen Besatzung verfolgten die Deutschen eine Politik der systematischen Ausrottung der polnischen Bevölkerung, insbesondere der Juden; Aufstand im Warschauer Ghetto Millionen verschwanden in den Vernichtungslagern Auschwitz, Treblinka, Majdanek, Sobidor und anderen über das ganze Land verteilten Konzentrationslagern. Nach dem Ende der Kriegshandlungen wurde die Zahl der Toten unter der Zivilbevölkerung auf über fünf Millionen geschätzt, der größte Teil wurde von den Deutschen getötet. Dazu kommen noch etwa 600 000 gefallene polnische Soldaten.
Im April 1943 kam es zum Aufstand der im Warschauer Ghetto zusammengepferchten Juden. Ausgelöst wurde er durch die täglichen Abtransporte von Juden in die Vernichtungslager. Nach drei Wochen harter Kämpfe hatten Waffen-SS und Polizeitruppen den Aufstand blutig niedergeschlagen.

Die Befreiung Polens von der deutschen Besatzung begann kurz nach dem Einmarsch der Alliierten in Frankreich (Juni 1944). Während der Monate Juni, Juli und August konnte die Rote Armee die Situation ausnützen, und fügte den Deutschen an der Ostfront eine Reihe von vernichtenden Niederlagen zu. Bis September war die sowjetische Armee, unterstützt durch Kontingente der polnischen Truppen, bis auf polnisches Gebiet vorgerückt. Im August 1944 übernahm die Polnische Heimatarmee die Hauptstadt Warschau und löste auf Veranlassung der Londoner Exilregierung den zweiten Warschauer Aufstand aus. Die Sowjets waren jedoch außerstande oder nicht willens, diesen Aufstand zu unterstützen. Im Oktober nahmen die Deutschen die Stadt wieder ein, evakuierten die Bevölkerung und zerstörten sie fast völlig. Die Ruinenstadt wurde im Januar 1945 von der Roten Armee eingenommen; die letzten Deutschen Truppen wurden im März aus dem Land vertrieben. Im Juli 1944 hatte die sowjetische Führung die Bildung des polnischen Nationalen Befreiungskomitees unterstützt; sie war deutlich kommunistisch dominiert. Dieses nach seinem Sitz auch Lubliner Komitee genannte Gremium rief sich im Dezember 1944 zur polnischen Regierung aus. Nach mehreren Versuchen gelang eine Versöhnung zwischen der Londoner Exilregierung und dem Lubliner Komitee. Nach der Vertreibung der Wehrmacht bildete sich im Juni 1945 eine polnische Koalitionsregierung der Nationalen Einheit. Diese Regierung wurde von Großbritannien und den Vereinigten Staaten im folgenden Monat anerkannt, nachdem die Sowjetunion auf der Konferenz von Jalta (Februar 1945) freie Wahlen für Polen zugesagt hatte.

Auf der Potsdamer Konferenz, die nach der deutschen Kapitulation 1945 abgehalten wurde, stellten die Alliierten Ober- und Niederschlesien, Gdansk (Danzig) sowie Teile von Brandenburg, Pommern und Ostpreußen bis zum Abschluss eines förmlichen Friedensvertrags unter polnische Verwaltung. In einem Abkommen vom 16. August 1945 legten Polen und die Sowjetunion die polnische Ostgrenze fest. Sie verlief jetzt wesentlich weiter westlich als vor dem Krieg, und die UdSSR verleibte sich einen bedeutenden Teil des früheren polnischen Territoriums ein. In diesem Gebiet lebten ungefähr 12,5 Millionen Menschen, davon fast vier Millionen Polen; viele von ihnen wurden in das heutige Polen umgesiedelt, haupsächlich in die neugewonnenen Gebiete im Westen.

Quellen: Microsoft Encarta 1998, sowie Wilhelm Wöhlke (Hrsg): Länderbericht Polen, Bonn 1991







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Letzte Änderung dieser Seite: 06.03.2010